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Geschenke für den Frieden – Inselbewohner machen es vor

Trobriand-Dorf Kula, Credit: Galen R. FrysingerIn unserer Kategorie Geschenke-Wissen – auch bekannt als „Locadeo macht schlau“ – gucken wir uns jetzt eine ganz besondere Kultur des Schenkens an: das Kula. In den westlichen Industrienationen werden Geschenke üblicherweise gekauft, verschenkt und dann behalten bzw. nicht weiterverschenkt. Und wir verfolgen verschiedene Motive beim Schenken wie z.B. dem Liebsten einen Wunsch zu erfüllen oder weil es der Anstand gebietet zum Geburtstag mindestens mit einer Kleinigkeit aufzuwarten. Doch sowohl die Spielregeln beim Schenken, die Soziologen nennen sie auch Schenkgrammatik, als auch das Motiv ist beim Kula ganz anders als gewohnt.

Die Trobriander in der Südsee

Das Kula ist ein rituelles Gabentausch-System der Bewohner der Trobriand-Inseln, welches Anfang des 20. Jahrhunderts von dem polnischen Sozialanthropologen Bronisław Malinowski (1884-1942) erforscht wurde. Die Trobriand-Inseln sind eine Inselgruppe im südlichen Pazifischen Ozean die zu Papua-Neuguinea gehört und knapp 1.000 km nordöstlich von Australien liegt. Die knapp 30.000 Trobriander leben in idyllisch anmutenden Siedlungen über die mehr als 21 Inseln verteilt. Die Inselgruppe hat eine nord-südliche Ausdehnung von 74 Kilometern und erstreckt sich ost-westlich über 68 Kilometer. Die palmengesäumten Inseln sind touristisch noch wenig erschlossen.

Aus der westlichen Perspektive mag die Gesellschaft der Trobriander primitiv wirken: Das Naturvolk lebt auf den Südseeinseln in einfachen Hütten und baut die, geschmacklich und optisch den Süßkartoffeln ähnliche, Yamswurzel an. Doch mit dem sogenannten Kula-Ring pflegen die Trobriander seit langer Zeit ein organisiertes Schenk-System mit strikten Regeln. Die Kultur der Trobriander ist durch ein konfliktarmes Gesellschaftsleben gekennzeichnet. Im Gegensatz zu vielen westlichen Kulturen werden Eigentum und sozialer Status über die weibliche Linie von Müttern an ihre Kinder vererbt. Jedes Dorf hat einen Häuptling, der durch Vererbung von Status, aus der Familie seiner Mutter geboren wird. Der Häuptling kann mehrere Frauen haben, früher bis zu 40, heute sind eher 16.

Das Kula als Ritual der Trobriander

Trobriand-Dorf Yamswurzel, Credit: Living Travel

Kula ist ein rituelles Tausch- und Prestigeobjekt welches für den der es bekommt, keinen unmittelbaren Nutzen und hohen materiellen Wert hat. Auch wenn das fruchtbare Land mehr als die Trobriander essen können produziert, hat die Ernte der Yamswurzel für die Trobriander eine besondere Bedeutung. Zur Erntezeit stapelt jeder seine Erzeugnisse stolz zu konischen Haufen. Doch ungefähr drei Viertel jedes Haufen werden weitergegeben. Und hier kommt das Gabentausch-System ins Spiel: ein Teil der Erzeugnisse geht direkt an den Häuptling, aber der größte Teil geht an die Schwester und ihre Familie. Da ein Häuptling mehrere Frauen haben kann, erhält er somit, über seine Frauen, einen Großteil der Erzeugnisse ihrer Familien. Dies führt dazu, dass der Häuptling die meisten Yamswurzeln besitzt. Auch wenn das Tauschobjekt, die Yamswurzel, aufgrund ihrer reichen Vorkommen keinen hohen materiellen Wert besitzt, hat es einen hohen sozialen Wert. Das Tauschsystem unterstreicht die familiären Beziehungen unter den Inselbewohnern und stabilisiert die Gesellschaft. Neben dieser Grundform des Kula existieren noch weitere Mechanismen unter den Bewohnern eines Stammes. Beispielsweise kann der Vater keine Gegenstände an seine Söhne verschenken, da diese nach seinem Tod der Familie seiner Frau zugeschrieben werden. Daher konzentrieren sich die Männer darauf, magisches Wissen an ihre Söhne zu vererben.

Der Kula-Ring sichert den Frieden zwischen den Inseln

Trobriander Kula-Ring Kanu, Credit: imtfi flickr

Die höchste Form des Kula ist der Kula-Ring. Dieses Ringtausch-System findet nicht zwischen den Bewohnern eines Dorfes, sondern den Stämmen der Inseln untereinander statt. Nach einem strikt eingehaltenen System werden Gaben mit sakralem Charakter getauscht und müssen nach einer Weile weitergetauscht werden. Dazu zählen z.B. Muscheln oder Ketten aus Muscheln. Im Gegensatz zur westlichen Kultur ist das Weiterverschenken somit ein fester Bestandteil dieses Systems. Die Trobriander reisen dabei zu den weit verstreuten Inseln mit ihren Kanus. Für sie besitzt die Welt des Unbekannten, des Fremden eine Konnotation von Feindseligkeit. Aus diesem Grunde ist es für den Einzelnen sehr vorteilhaft, in der Fremde einen Freund zu haben, der ihm Gastfreundschaft und Schutz bieten kann. Das Kula verfolgt somit das Ziel, die soziale Bindung zwischen den Bewohnern der unterschiedlichen Inseln zu wahren und Feindseligkeiten zu vermeiden.

Kula für die Liebe

Das folgende Video zeigt, vereinfacht, eine weitere Seite des Kula. Ein Mann mit viel Kula, genießt ein höheres Ansehen und erregt die Aufmerksamkeit der Frauen.

Deutsche Zusammenfassung des Videos: Der junge Stammesbewohner Preston hat noch zu wenig Kula, um das Interesse einer jungen Frau zu wecken. Kula führt in der Gesellschaft zu Respekt und Anerkennung. Um mehr des Kula zu sammeln, muss er einem strikten Tausch-System folgen. Er hat einen wertvollen Gegenstand, beispielsweise eine schöne Muschel, die als Tauschobjekt im Kula geeignet ist. Er beginnt, indem er zu einer Person reist, mit der er eine Handelsbeziehung aufbauen möchte. Preston gibt sein “vaga”, also sein Erstgeschenk, an den potentiellen Tauschpartner und reist ab. Sein möglicher Partner prüft das Geschenk und überlegt ob er in eine Tauschbeziehung mit Preston eintreten soll. Verzögert entscheidet er sich dafür und reist den weiten Weg zu Preston, um ihm seine Entscheidung mitzuteilen. Dies tut er, indem er mit einem größeren und wertvolleren Kula zurückkehrt. Preston ist erfreut und zeigt sein größeres Kula stolz seinem Stamm. Da er nun höheren Respekt genießt, erregt er schlussendlich die Aufmerksamkeit der jungen Frau.

Tiefergehendes Wissen zum Kula findet sich in Malinowskis Buch Argonauten des westlichen Pazifik und hier.

Über den Autor 

Der Gründer und Geschenkefachmann von Locadeo der seine Agenturkarriere für die Mission "Surprise your friends" an den Nagel gehangen hat. Er hat BWL, Informatik und Digital Management studiert. In seiner Freizeit lehrt er entweder als Uni-Dozent oder geht Klettern – Hauptsache hoch hinaus!

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Kommentar (1)

  1. […] wir vor, wie Inselbewohner im südlichen Pazifik, anders als in der westlichen Welt, mit einem rituellen Gabentausch-System Freundschaften pflegen und für Frieden […]