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Das Prinzip der Ehre und zeitliche Suspension beim Schenken

Geschenke-Wissen: Prinzip der Ehre, zeitliche Suspension beim SchenkenIn unserer neuen Rubrik Geschenke-Wissen stellen wir ab sofort regelmäßig Wissenswertes über das Schenken vor. Geschenke werden zu entsprechenden Anlässen, wie z.B. Geburtstagen, Ostern oder Weihnachten gegeben. Vielleicht kennt ihr das: Man bekommt ein Geschenk und möchte sich gleich erkenntlich zeigen. Ein verbales Dankeschön, ein fester Händedruck oder eine innige Umarmung sind, je nach Verhältnis zum Schenker, die richtige Art der Danksagung. Aber warum sollte man sich nicht direkt und binnen kurzer Zeit mit einem Gegengeschenk bedanken?

Ein Geschenk sofort mit einem Gegengeschenk, egal welcher Form, zu erwidern würde einer Ablehnung des ursprünglichen Geschenks gleichkommen. Um zu erklären weshalb, betrachten wir den soziologischen Hintergrund des Schenkens, das Prinzip der Ehre und die zeitliche Suspension.

Soziologische Sicht auf das Geschenk

Im Gegensatz zur Wikipedia-Definition ist Schenken kein Ausdruck altruistischen Handelns. Neben dem Transfer von Eigentum geht es beim Schenken vielmehr um den Sozialität stiftenden Effekt. Dem Geschenkempfänger wird vermittelt „du bist mir wichtig“ und „ich habe an dich gedacht“. Es wird geschenkt, um die soziale Bindung zu stärken. Genauso wird auch eine neue Beziehungskonstellation hinsichtlich Macht, Ansehen, Bindung und Abhängigkeiten der Personen etabliert oder bestehende werden erneuert. Wer ein besonders wertvolles Geschenk gibt, zeigt dem Gegenüber wie wichtig er ihm ist. Gleichzeitig kann ein sehr wertvolles Geschenk auch dazu führen, dass der Schenker mehr Ansehen genießt und der Beschenkte in ein Abhängigkeitsverhältnis gerät. Durch das Schenken entstehen eine wechselseitige Verpflichtung zu schenken und sogar ein Anrecht auf Geschenke, sobald Geschenke in einer sozialen Bindung üblich werden. Schenken ist daher nicht rein altruistisch und nicht ohne die Erwartung einer Gegengabe denkbar. Glücklicherweise macht schenken und beschenkt werden vielen Menschen Spaß und es fällt schnell auf, wenn jemand den Bogen überspannt.

Das Prinzip der Ehre

Nach dem französischen Soziologen Pierre Félix Bourdieu (1930-2002) spielen Ehre und Ehrgefühl im Gabentausch-System eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der Kommunikation. Nimmt der Beschenkte das Geschenk an, signalisiert er die Wertschätzung des Geschenks und des Gebers sowie macht mit der Annahme deutlich, dass er in die Kommunikation eintreten möchte. Würde er das Geschenk nicht oder nicht in angemessener Weise erwidern, würde dies mit einem Verlust seiner Ehre einhergehen. Ein angemessenes Gegengeschenk sollte dabei insbesondere vom symbolischen Wert her, dem vorherigen Geschenk entsprechen. Der Schenker würde die wechselseitige Verpflichtung verletzen, wenn er ein Geschenk mit einem zu niedrigen Wert wählen würde. Genauso dürfte der Wert nicht zu hoch sein, da dies ansonsten als Machtausübung gedeutet werden könnte, welche die Beziehung ins Ungleichgewicht bringt.

Zeitliche Suspension beim Schenken

Das Prinzip der Ehre tritt nach Meinung des bekannten Soziologen Marcel Mauss (1872-1950) erst zusammen mit dem Kredit und der Frist zur Erwiderung in Erscheinung. Mit der Gabe erhält der Gabenempfänger Zeit eingeräumt, bis eine Rückgabe zu erfolgen hat. Ein Geschenk sofort zu erwidern würde einer Ablehnung gleichkommen. Erst durch das Verstreichenlassen eines gewissen Zeitintervalls können sich das Abhängigkeitsverhältnis und das daraus erwachsende Vertrauen manifestieren, die zu einer gestärkten Bindung führen. Im bürgerlichen Schenken bei kalenderfixierten Geburtstagen und kollektiven Anlässen wie bspw. Weihnachten ist dies jedoch nicht realisierbar, da das Schenken planbar ist oder der Gabentausch synchron vollzogen wird.

In der zeitlichen Suspension drückt sich das unerschütterliche Vertrauen darauf aus, dass der Empfänger sich bei seiner Ehre an die Erwiderungsleistung hält. Erst durch die zeitliche Suspension wird ein Gegengeschenk nicht als direkte Antwort, sondern als freiwillige Gabe seitens des Beschenkten wahrgenommen. Daher sind Geschenke außerhalb der Reihe, also zwischen Geburtstagen und Weihnachten, meist die unerwarteten und somit jene mit höherem Wert für den Beschenkten.

Nächste Woche: Der Wert des Geschenks

Im nächsten Artikel beschäftigen wir uns mit der Frage, was den Wert eines Geschenks wirklich ausmacht und wieso teure Geschenke nicht immer die besten sind.

Über den Autor 

Der Gründer und Geschenkefachmann von Locadeo der seine Agenturkarriere für die Mission "Surprise your friends" an den Nagel gehangen hat. Er hat BWL, Informatik und Digital Management studiert. In seiner Freizeit lehrt er entweder als Uni-Dozent oder geht Klettern – Hauptsache hoch hinaus!

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Kommentar (1)

  1. […] der letzten Woche haben wir herausgestellt, dass Geschenke außerhalb der Reihe, also zwischen den üblichen Verdächtigen wie Geburtstagen und Weihnachten, die besseren Geschenke […]